Comic: Auf der Flucht erschossen

Im Prozessmanagement-Kurs ging mir dann erstmalig das Lied »Auf der Flucht erschossen« von Ape, Beck & Brinkmann im Kopf herum. Neben der Melodie surrten Sätze wie »die Armut machte ihn hart«, »leere Worte gegen ein Gewehr« durch meine Hirnwindungen.

Kreuzberg | 5.2.2021. Nun ist er gedruckt, mein internationalistischer Comic. Faktisch fertiggestellt 2012/13.

Bestellbar: www.turnleft-36.de

»Auf der Flucht erschossen« ist zuerst einmal ein Song von Ape, Beck und Brinkmann aus dem Jahr 1982. Er beschreibt in ein­fachen Sätzen aus der Sicht politischer Aktivist*innen eine Situation der Empathie, der Solidarität, der Hoffnung, tiefer Traurigkeit und Verbundenheit. Kurz vor dem Aufbruch…

Eine Gruppe Aktivist*innen in irgedneinem Land Lateinamerikas bereitet sich auf eine Aktion vor. Es ist kurz vor dem Aufbruch. Intensive Gedanken zu den Mitkämpfenden surren durch den Kopf und das Herz.

Der Comic teilt sich in zwei Teile. Der erste illustriert assoziativ den Text des Liedes.
Im zweiten Teil der Publikation wird nochmals Bezug genommen auf die Zeichnungen und historische Hintergründe erläutert. Ein Streifzug durch internationalistische links-aktivistische Geschichte unterschiedlicher Zeiten.

Die Zeichnungen entstanden 2012 während universitärer Vorlesungen geringen Inhalts und ein Teil später.

Verlinkungstips am Ende des Hefts erschaffen einen kleinen Soundtrack zur Geschichte…

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Staatsbürgerkunde

13.5.1989 Europawahlkampf in Göttingen. DVU/NPD-Kundgebung wird von der Polizei geschützt.
Antifaschist wird traktiert und festgenommen.

Kreuzberg | 3.2.2021. Im Frühjahr 1989 existierte die DDR noch. Im Januar 1989 waren die rechtsextreme Partei »Die Republikaner« in den Berliner Senat eingezogen. NPD und DVU traten gemeinsam als Liste D an und der DVU-Vorsitzende Gerhard Frey pulverte 18 Millionen DM in den Wahlkampf. Nicht nur die taktisch vollzogene Zusammenarbeit mit der NPD ließ Antifaschist*innen aufhorchen.

In Göttingen wollte die DVU – Liste D am 13. Mai 1989 eine Wahlkampfveranstaltung durchführen.

Es gab handfesten antifaschistischen Widerstand – letztlich kappte ein beherzter Aktivist das Kabel der NPD-Lautsprecheranlage, die durch zahlreiche Polizeiketten geschützt worden waren. Ca. 1500 Personen stellten sich den Faschisten an der Stadthallte direkt entgegen, während die offizielle Gewerkschaftskundgebung (ca. 300 Personen) ab vom Schuss in der Innenstadt weilte.

Eine politisch logische Konsequenz war das knüppelnde Einsatzkonzept der Polizei – unterstützt durch die Sondereinheit des EbLT (Berlin).

Mehr Hintergründe

Zeitungsartikel zum Prozeß gegen den Festgenommenen | Göttinger Woche | 28.9.1990 → weiterlesen

Rebell: Lucio Urtubia

Urtubia geht im Morgengrauen zur Arbeit als Maurer, danach verbringt er Stunden in den abgedunkelten Räumen, wo die Druckmaschinen rattern.*

Kreuzberg | 20.7.2020. Am 18. Juli 2020 starb Lucio Urtubia in Paris im Alter von 89 Jahren.

Der Verlag Assoziation A schreibt anläßlich des Todes: »Sozialrebell, Geldfälscher, Bandit, moderner Robin Hood – die Liste der Titel, mit denen Lucio beehrt wurde, ist lang. Sein Leben, das wie ein Abenteuerroman klingt, ist zugleich ein Spiegel der revolutionären Bewegungen Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. […]
Doch Lucio ist auch ein Meister der Konspiration, dem in seinem nicht gerade gesetzestreuen Leben das Kunststück gelingt, nur ein paar Monate im Gefängnis zu verbringen. Erst mit weit über 70 Jahren bricht er das Schweigen. Ein Buch über ihn erscheint
(in deutsch von Assoziation A verlegt), und ein Film wird gedreht, der mit deutschen Untertiteln in sieben Folgen auch bei YouTube zu sehen ist (https://www.youtube.com/watch?v=GG_HMCa2ud8). Schließlich veröffentlicht er seine Autobiografie, um selbst über sein Leben und die Motive seines Handelns Rechenschaft abzulegen. »Eine Bank zu berauben sei ihm eine Ehre« lautet dabei seine politische Grundüberzeugung. […] Nun ist der »Zorro vasco« mit 89 Jahren nach einem erfüllten Leben in Paris gestorben.
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Oranienplatz 2012-2014

Nach einer Auftaktdemonstration durch die Würzburger Innenstadt begannen am Samstag, dem 8. September 2012, ca. 50 Geflüchtete aus dem gesamten Bundesgebiet gemeinsam mit Unterstützer*innen einen Protestmarsch zu Fuß von Würzburg nach Berlin.

Nach 28 Tagen und fast 600 Kilometern Fußmarsch trafen am 6. Oktober 2012 ca. 70 Geflüchtete und 100 Unterstützer*innen am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg ein und machten dort ihren Protest sichtbar, indem sie unmittelbar begannen eine Zeltstadt zu errichten. Die Besetzung des Oranienplagtzes sollte solange aufrechterhalten werden, bis Lager- und Residenzpflicht abgeschafft und die bestehende Abschiebepraxis beendet würde.

Am Samstag, den 13. Oktober 2012, kam es in Berlin mit über 6000 Teilnehmenden zu einer der seinerzeit größten Demonstrationen für die Rechte von Geflüchteten und in der Bundesrepublik.

Am 8. April 2014 wurde der Oranienplatz geräumt. Auf die Forderungen der Geflüchteten wurde von offizieller Seite nicht eingegangen.

Mehr Hintergründe

Notizen zum Moment der Räumung → weiterlesen

Deutsche Täter sind keine Opfer

Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung für alle Opfer der menschenverachtenden Ideologie und Vernichtungspolitik der historischen Nazis. Bereits am 11. April 1945 gelang es Häftlingen im KZ Buchenwald sich selbst zu befreien als die us-amerikanische Armee im Anmarsch war. Dank der Selbstorganisierug des Internationalen Lagerkomitees waren zahlreiche Häftlinge vorbereitet und im Besitz von Waffen.

Nicht käuflich

Wird der Wolf uns an seinen Tisch einladen, um zu teilen seine üppigen Speisen?
Wer hat die Speisen angepflanzt, wer sie zubereitet?

Wird der Wolf seine Zähne herunterschleifen, sie uns anschließend als Schmuck vergangener Zeiten zärtlich um den Hals legen?
Wer sorgte dafür, dass seine Zähne als blitzblanke Drohung sein sauberes Anlitz schmücken?

Wird er Wolf uns freiwillig seinen Stuhl am Kopfende der Tafel aus Gold anbieten?
Wer drechselte ihm den reichlich verzierten Stuhl, wer holte das Gold unter Schweiß und Tränen aus dem Dreck?

Der Wolf amüsiert sich, lacht und nippt nochmals am Wein.
Wer sorgt für sein Amüsement und seine gute Laune?

Wir, wenn wir betteln nach Gerechtigkeit.
Wir, wenn wir die geschliffenen Worte des Wolfes anhimmeln.
Wir, wenn wir ihm abkaufen, was er uns anbietet.
Wir, wenn wir weiter daran arbeiten, seine Welt zu erhalten.

Dem Wolf gehört die Fresse poliert.

Independence vs. Influence

WHAT IF

The Bandwagon starts rolling before you even reach your Teens
Role Models for a restless World and the Fuel to fill your Dreams

Where will you go, when you take your first Step on your own?
Where will you walk? What if they led the Way and no-one followed?

They lead you out onto the Catwalk like a Dog upon a Leash
They fix your Feet upon the Party Line but there are Places it won’t reach

What if you woke up one morning and weren’t under the Influence?
What if you won back your Independence?

Some Routes will take you down the Backroads some will take you down the main Strip
Or you could head off through the Undergrowth where the civilized Image slips

Lyrics: T.V. SMITH

Am Puls zur rechten Zeit

Kein Zufall war es, dass in den Jahren 2010-2012 mehrere tausend Menschen im »Bündnis Dresden nazifrei« die aufkommedne Pegida-Bewegung, Gedenkfeiern von Rechten zum Jahrestag der Bombardierung von Dresden (13.2.1945) blockieren mussten.

Die lächerlichen Versuche von Verboten rechter Veranstaltungen seitens der Stadtverwaltung liefen juristisch absehrbar ins Leere. Sachsen ist seit 1990 unter CDU-Alleinherrschaft. Ein erzkonservativer Nährboden für faschistische Aktionen, Mordtaten und öffentliches Auftreten. Bis heute ist Sachsen ein gesellschaftliches Problemfeld rechten Ausmaßes.

Dank geht an alle Antifaschist*innen.

Zum Weiterlesen
Dresden Nazifrei
Interventionistische Linke -> Antifaschismus