Rebell: Peter Paul Zahl

Ode an Molotow

in den warmen sand
wollen wir uns setzen
meine freunde
und die worte sortieren

die bitteren und
die voller wut
füllen in eine rundbauchige flasche
sägespäne hinzu
und altöl und schrott
und viel benzin

mit worten
die zerschlissen sind
umwickeln die
flasche

und anzünden die lunte
aus hass
…dreiundzwanzig…
vierundzwanzig…
fünfundzwanzig…

hinter der barrikade
unserer liebe
abwarten die wirkung
unter den feinden

und später bäume umarmen
mit rissiger borke
aus freude
über den wiedergewinn
unserer freiheit*

Kreuzberg | 21.2.2020. Krimis, Kochbücher und Schelmenromane gehörten ebenso zu Peter-Paul Zahl wie zwei Staatsbürgerschaften, die deutsche und die jamaikanische. 2005 erlangte er seinen deutschen Pass nach jahrelangem Prozedere und Wiedereinbürgerung zurück, da ihm die bundesdeutschen Behörden den Pass eingezogen hatten, weil er ebenfalls einen jamaikanischen besaß, da er dort seinen Lebensschwerpunkt hatte.

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Erwarte keine andere Antwort als die Deine

Du sagst:
Es steht schlecht um unsere Sache.
Die Finsternis nimmt zu.
Die Kräfte nehmen ab.
Jetzt, nachdem wir so viele Jahre
gearbeitet haben, sind wir in
schwierigerer Lage als am Anfang.
Der Feind aber steht stärker da denn jemals.
Seine Kräfte scheinen gewachsen.
Er hat ein unbesiegliches
Aussehen angenommen.
Wir aber haben Fehler gemacht,
es ist nicht zu leugnen.
Unsere Zahl schwindet hin.
Unsere Parolen sind in Unordnung.
Einen Teil unserer Wörter
hat der Feind verdreht
bis zur Unkenntlichkeit.
Was ist jetzt falsch von dem,
was wir gesagt haben?
Einiges oder alles?
Auf wen rechnen wir noch?
Sind wir Übriggebliebene,
herausgeschleudert aus dem lebendigen Fluß?
Werden wir zurückbleiben?
Keinen mehr verstehend und
von keinem verstanden?
Müssen wir Glück haben? So fragst du.
Erwarte keine andere Antwort als die deine.

Bertolt Brecht | An den Schwankenden (1933)

Rebell: Heinrich Vogeler

Heinrich_Vogeler

Zusammen mit […] der Roten Marie […] und anderen Freunden gründete Heinrich Vogeler im Sommer 1919 die Kommune und Arbeitsschule Barkenhoff, um zu beweisen, dass eine neue Gesellschaft möglich ist.*

Kreuzberg | 6.3.2019. Wie kommt ein überaus erfolgreicher Künstler um die Jahrhundert­wende des letzten Jahrhunderts innerhalb weniger Jahre dazu, sein gesamtes Lebenswerk hinter sich zu lassen, um sich der grundsätzlichen soziali­stischen Veränderung der Welt zu widmen? Heinrich Vogeler – einst erfolgreicher Maler, Zeichner, Grafiker und Architekt des Jugendstils mit Hang zur Romantik, verkaufte sein Haus [Barkenhoff in Worpswede] 1925 für einen symbolischen Preis an die Internationale Rote Hilfe, um dort ein Heim für Kinder politisch verfolgter Kommunist*innen aufzubauen. → weiterlesen