Comic: Auf der Flucht erschossen

Im Prozessmanagement-Kurs ging mir dann erstmalig das Lied »Auf der Flucht erschossen« von Ape, Beck & Brinkmann im Kopf herum. Neben der Melodie surrten Sätze wie »die Armut machte ihn hart«, »leere Worte gegen ein Gewehr« durch meine Hirnwindungen.

Kreuzberg | 5.2.2021. Nun ist er gedruckt, mein internationalistischer Comic. Faktisch fertiggestellt 2012/13.

Bestellbar: www.turnleft-36.de

»Auf der Flucht erschossen« ist zuerst einmal ein Song von Ape, Beck und Brinkmann aus dem Jahr 1982. Er beschreibt in ein­fachen Sätzen aus der Sicht politischer Aktivist*innen eine Situation der Empathie, der Solidarität, der Hoffnung, tiefer Traurigkeit und Verbundenheit. Kurz vor dem Aufbruch…

Eine Gruppe Aktivist*innen in irgedneinem Land Lateinamerikas bereitet sich auf eine Aktion vor. Es ist kurz vor dem Aufbruch. Intensive Gedanken zu den Mitkämpfenden surren durch den Kopf und das Herz.

Der Comic teilt sich in zwei Teile. Der erste illustriert assoziativ den Text des Liedes.
Im zweiten Teil der Publikation wird nochmals Bezug genommen auf die Zeichnungen und historische Hintergründe erläutert. Ein Streifzug durch internationalistische links-aktivistische Geschichte unterschiedlicher Zeiten.

Die Zeichnungen entstanden 2012 während universitärer Vorlesungen geringen Inhalts und ein Teil später.

Verlinkungstips am Ende des Hefts erschaffen einen kleinen Soundtrack zur Geschichte…

Der Impuls

2010 saß ich (noch) in der Fachhochschule. Ich war dabei Druckingenieur des Bachelor-Systems zu werden. Die Seminare waren qulifikatorisch wenig erquicklich, das Bachelor-System dient eher zur Konditionierung der Studierenden für ein Leben in Konkurrenz, statt dem Erkenntnisgewinn.
Im Prozessmanagement-Kurs ging mir dann erstmalig das Lied »Auf der Flucht erschossen« von Ape, Beck & Brinkmann in den Kopf herum. Neben der Melodie surrten Sätze wie »die Armut machte ihn hart«, »leere Worte gegen ein Gewehr« durch meine Hirnwindungen.
2010 war die Finanzkrise bereits offen zu Tage getreten, einhergehend mit einer zunehmenden Repräsentationskrise auch in den westlichen Staaten und hier in der Hochschule wurde immer noch Betriebswirtschaftslehre so vermittelt, als sei das auf »freiem Markt« und Konkurrenz beruhende Verwertungssystem ein Segen der Menschheit. Wie war das noch gleich: weltweit hungern eine Milliarde Menschen — jeder siebte Mensch also.
So begann die Geschichte dieses Comics, ich kritzelte mir mein Bewusstsein mittels eines Kugel­schreibers aus dem Leib; auf kariertem, bereits mit Notizen versehenen, studentischen Papieres, begann ich in die Geschichte einzutauchen, die dieses Stück Musik und der entsprechende Text in mir auslöste.

Die Zeichnungen sind z.T. unfertig, perspektivisch und anatomisch ungenau, geschuldet der Tatsache, dass ein Kugel­schreiber kein Wegradieren zulässt. Auch die Anordnung der Panels (die Komposition und Größenverhältnisse der einzelnen Bilder zueinander) überließ ich eher dem Zufall. Eigentlich ein wesentliches Gestaltungselement und ein gegebenenfalls ausdruckstarkes Merkmal von Comics. Die gekonnte Gestaltung von Panels kann das, was im Kopf der Lesenden zwischen den Bildern geschieht, entscheidend beeinflussen. Zumal das ein wesentlicher Kern der sequenziellen Kunst ist; Zeit und Raum zwischen den Bildern wird durch die Phantasie und
individuelle Erfahrungen sowie der kulturellen Grammatik der Lesenden gestaltet.

Ich entschied mich für das Unperfekte, das Skizzenhafte, für Momentaufnahmen meines Versuches, in den Vorlesungen den gelehrten Inhalten zu entkommen. Ein Großteil des vorliegenden Comics ist der Versuch ideologisch gegenzuhalten, sich der »Gehirn­wäsche« zu verweigern und sich mit dem — situativen — Entfliehen, der Realität weiterhin mit einer solidarischen, an egalitären Werten orientierten, kämpferischen Haltung zu nähern.
So entstanden mehr als 50% der Zeichnungen im Lehrunterricht, die andere Hälfte stellte ich später fertig, allerdings weiterhin in meinem karierten Studienheftchen, weiterhin blieb der schwarze Kugelschreiber mein Begleiter. Nachdem ich die Zeichnungen gescannt hatte, kolorierte ich diese im Rechner, fügte die Typografie hinzu und stellte sie auf den Seiten zusammen.

Der 2. Teil, die Fussnoten recherchierte ich 2011/2012. Ein Teil der Recherche beruht auf einem anderen Projekt meinerseits; »Ikonen zum Anfassen«*

Berlin/Kreuzberg
Mai 2012.

Form
Comic | Din A5 | 60 Seiten
Eigenproduktion
Solidaritätsprojekt – Erlös geht in die Unterstützung von Geflüchteten
Bestellbar für 7,00 €: www.turnleft-36.de

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