Rebellin: Angela Davis

Jackson, der springt übern Richtertisch,
drückt die Waffe dem Richter hart ins Genick.
Und Handschellen los und Schußwaffen her.
Und im Nu ist der ganze Gerichtssaal leer.
Und der Richter ist noch als Geisel dabei.
Aber draußen wartet schon die Polizei.
Und kommen raus, und da knallen die Bullen schon,
und so verblutet die Befreiungsaktion.
Die Gerichts­stufen runter rollen die drei,
aber der Richter Haley ist auch mit dabei.
Na, sagt ihr, alles wirklich nicht schön,
aber was hat das mit Angela Davis zu tun?
Weiterhören, sag ich, weitersehn!
*

Kreuzberg | 03.01.2012. Als Angela Davis am 13. Oktober 1970 in New York festgenommen wurde, stand sie auf der vom FBI veröffentlichten Liste der zehn gefährlichsten Ver­­bre­cher der USA. Ihr wurde Mord, Men­schenraub und Verschwörung vor­geworfen, gelistet als »Unter­stützung des Terrorismus«; in den USA mit der Todesstrafe geahndet. Ihre Verhaftung war aber gleichzeitig der Auslöser einer weltweiten – bis heute unvergleichlichen – Kampagne »Free Angela« zu ihrer Freilassung.
»Tausend Blumen für Angela« war eine Kampagne u.a. in den Schulen der DDR. Schon zur Zeit ihrer Festnahme war Angela Davis eine bekannte, feministische schwarze Aktivistin, die intellektuell durch die so genannte Frankfurter Schule geprägt war. Mit ihrem Studium an der Braindeis University näherte sie sich dem Marxismus unter Herbert Marcuse an, auch knapp zwei Jahre führte dieses Studium sie an die Uni­versität nach Frankfurt/Main, wo sie sich im Zuge der aufkommenden 68er-Bewegung dem SDS anschloss. Die fortwährenden Angriffe der innenpolitischen US-Behörden auf die schwarze Bürgerechtsbewegung – insbesondere auf die Black Panther Party – veranlassten sie 1967 in die USA zurückzukehren. Sie trat u.a. der Black Panther Party bei, organisierte sich jedoch leidenschaftlicher im »Che-Lumumba-Club«, einer Gruppe innerhalb der kommunistischen Partei. Mit der Arbeit an einem Buch über die Bedingungen von schwarzen Gefangenen am Beispiel der »Soledad Brothers« geriet sie in folgenschwere Ereignisse.
Nach einem missglückten Befreiungsversuch im Gerichtsaal durch Jonathan Jackson, einem Bruder von George Jackson, einer der »Soledad Brothers«, starben vier Menschen. Angela Davis wurde beschuldigt, eine bei der Schießerei benutzte Waffe beschafft zu haben. Diese Ereignisse katapultierten nicht nur Fragen wie staatlichen Rassismus gegen Schwarze in den USA und den Zusammenhang mit dem Gefängnissystem in die internationale Öffentlichkeit, vor allem Angela Davis stand in der sich anschließenden Kampagne im Mittelpunkt.
1972, nach über zwei Jahren juristischem Prozedere, wurde Angela Davis in allen Punkten freigesprochen, nicht zuletzt wegen internationaler Unterstützung.
1968 schloss sie ihr Studium ab, unterrichtete an verschiedenen Universitäten und musste auch hier immer wieder Schwierig­keiten seitens staatlicher Behörden begegnen, die versuchten, sie wegen ihrer linken, antirassistisch, feministischen politischen Haltung und Tätigkeit vom Lehrbetrieb auszuschließen. 1980 und 1984 war sie Kandidatin für das Präsidentschaftsamt der USA.
1991 gründete sie die »Committees of Correspondence for Democracy and Socialism«, ist weiterhin aktive Streiterin in der Politik und blieb bis heute Verfechterin der egalitären kommuni­stischen Idee. Zur Zeit lehrt Angela Davis an der University of California in Santa Cruz und setzt sich aktiv gegen die Todesstrafe ein.
Informationen
Wikipedia | Angela Davis
Text zur Black Panther Party und Angela Davis
Interview »Neues Deutschland« | 17.6.2010
Artikel »Der Spiegel« | 8.11.1971
Buchtips
Angela Davis | Band II: Bibliothek des Widerstands | Laika-Verlag März 2010
Angela Davis – Eine Frau schreibt Geschichte | Klaus Steininger | Verlag Neues Leben 2010
Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse? – Der gefängnisindustrielle Komplex der USA | Angela Y. Davis | Schwarzerfreitag 2004
Women, Race, & Class | Angela Y. Davis | Vintage Books | 1983
Filmtips
Angela Davis – Portrait of a revolutionary | Dokumentarfilm | Yolande DuLuart | 1972
Angela Davis – Eine Legende lebt| Dokumentarfilm | Christel Priemer, Ingeborg Weber | 1998
Panther | Spielfilm | Mario Van Peebles | 1995
Black Power Mixtape 1967 – 1975 | Musikalischer Dokumentarfilm | Göran Hugo Olsson | 2011
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Informationen zum Projekt »IKONEN ZUM ANFASSEN«

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